Wie beeinflusst LED-UV-Aushärtung die Druckqualität im Flexodruck? Diese Frage steht im Mittelpunkt moderner Etikettenproduktion. Hersteller wechseln zunehmend von konventionellen Quecksilber-UV-Lampen zu LED-UV-Systemen. Der Umstieg verändert Prozesskenngrößen, Materialauswahl und Qualitätsergebnisse. Dieser Beitrag erklärt praxisnah die technischen Zusammenhänge und gibt konkrete Empfehlungen für schmale Bahnen, Flexodruck und Plattenherstellung.
LED-UV-Technologie im Überblick
LED-UV-Systeme arbeiten mit engen Wellenlängenbereichen, meist 365 bis 405 nm. Das Spektrum ist deutlich schmaler als bei herkömmlichen UV-Quecksilberlampen. LEDs erzeugen hohe Spitzenleistung bei geringerer Wärmeabgabe. Sie schalten ohne Aufwärmzeit und haben längere Betriebszeiten. Diese Eigenschaften beeinflussen Polymerisationsverläufe von UV-Tinten und Lacken direkt.
Auswirkungen auf Polymerisation und Druckauflösung
LED-UV bewirkt schnelle Oberflächenpolymerisation durch die hohe Photonendichte. Eine schnelle Vernetzung kann die Oberflächenhärte erhöhen. Gleichzeitig kann unzureichende Durchhärtung im Tieflagenbereich entstehen, besonders bei pigmentreichen Farben oder dicken Schichten. Für exakte Rasterpunkte bedeutet das: bessere Kantenschärfe bei korrekter Einstellung, aber Risiko für versiegelte Oberflächen mit unvollständiger Durchhärtung im Kern der Tintentropfen.
Tintenformulierung und Photoinitiatoren
Nicht alle UV-Tinten sind für LED-Emissionen optimiert. Photoinitiatoren müssen auf das LED-Spektrum abgestimmt sein. Pigmente und weiße Pasten absorbieren Licht und reduzieren Eindringtiefe. Formulierungen mit LED-aktiven Initiatorsystemen verbessern Durchhärtung und Brillanz. Druckereien sollten mit Tintenherstellern zusammenarbeiten und Prüfungen mit eigenen Substraten durchführen.
Substrate und Haftung
Etikettenmaterialien wie OPP, PET oder gestrichenes Papier reagieren unterschiedlich auf LED-UV. Niedrigere Strahlungswärme minimiert Schrumpfung und Wellenbildung bei wärmeempfindlichen Folien. Trotzdem kann fehlende Adhäsion auftreten, wenn Primer- oder Dispersionsschichten nicht LED-kompatibel sind. Corona- und Primer-Behandlungen behalten ihre Bedeutung; bei Bedarf müssen Rezepturen der Klebstoffe und Primer angepasst werden.
Druckprozess: Anilox, Raster und Eindruck
Anilox-Walzen und Rasterkennlinien sind Schlüsselfaktoren. LED-UV führt oft zu geringerer Farbverschmierung, weil Tinte schneller verfestigt. Das erlaubt feinere Raster und höhere Linienraster. Gleichzeitig steigt die Bedeutung kontrollierter Tintentemperatur und Viskosität. Die Einstellung des Eindrucks muss so erfolgen, dass die Filmentdicke zur benötigten Einfallsenergie passt. Eine zu dicke Schicht erhöht das Risiko für unzureichende Durchhärtung im Inneren.
Oberflächenqualität, Glanz und Lacke
UV-Lacke zeigen bei LED-Härtung oft höheren Glanz durch schnelle Oberflächenvernetzung. Mattlacke erfordern speziell angepasste Formulierungen, um gewünschte Mattheit ohne unerwünschte Glanzstellen zu erreichen. 3D-Lacke und Strukturveredelungen profitieren von der punktgenauen Energiezufuhr der LED-Systeme, benötigen aber abgestimmte Photoinitiatoren und gegebenenfalls höhere Dosen für dickere Schichten.
Betriebsparameter: Intensität, Dosis und Kühlung
Für konstante Qualität sind Messung und Kontrolle von Bestrahlungsstärke (mW/cm²) und Bestrahlungsdosis (J/cm²) notwendig. Radiometer müssen für LED-Wellenlängen kalibriert sein. Die Kühlung der LEDs beeinflusst sowohl Lebensdauer als auch Leistung. Wärmeableitung über Heat-Sinks und kontrollierte Luftführung sind zu überwachen, damit die Ausgangsleistung stabil bleibt.
Praktische Probleme und Lösungen
- Unvollständige Durchhärtung: Prüfen, ob Tinten für LED geeignet sind. Erhöhen der Dosis oder Verringerung der Druckgeschwindigkeit hilft.
- Adhäsionsmängel: Haftungstests auf Chargenbasis durchführen. Primer und Kleber anpassen.
- Dot-Gain-Variationen: RIP-Profile neu kalibrieren, anilox und Raster neu bewerten.
- Weißdruck und Opazität: Pigmentabsorption erfordert oft doppelte Weiß-Aufträge oder weiße Pasten mit angepasster Initiatorik.
- Temperaturempfindliche Substrate: Vorteile der LED nutzen, Abstand und Leistung so einstellen, dass lokale Erwärmung minimiert wird.
Qualitätssicherung und Prüfmethoden
Routineprüfungen gehören zur Standardprozedur. Wichtige Tests sind: Durchhärtungsgrad (gel-swell, Knetversuch), Abrieb- und Kratzfestigkeit (Rub-Tests), Haftfestigkeit (Rubber-Stamp, Klebebandtests), optische Prüfungen (Glanzmessung, Spektralfotometrie) und Druckprofilvergleiche. Dokumentation der Prozessparameter erleichtert Fehlersuche.
Wirtschaftliche und ökologische Aspekte
LED-UV senkt Energieverbrauch und reduziert Ozonemissionen. Die längere Lebensdauer der Leuchtmittel vermindert Wartungsintervalle. Allerdings sind initiale Investitionen höher. Die Umstellung kann Materialkosten beeinflussen, wenn spezielle Tinten und Primer erforderlich werden. Langfristig verbessert LED-UV durch geringere Produktionsausfälle und stabilere Qualität oft die Gesamtwirtschaftlichkeit.
Integration in schmale Bahnen und Rollendruck
Narrow-Web-Pressen profitieren besonders von LED-UV. Kompakte Lampeneinheiten lassen sich leichter integrieren. Für schnelle Etikettenläufe sind konstante Aushärtungsbedingungen wichtig. Rollenspezifische Aspekte wie Rollenwicklung, Klebstoffverhalten und Nachbearbeitung müssen bei der Konfiguration berücksichtigt werden. Prüfungen in realen Produktionsläufen sind unumgänglich.
Wartung und Anlagenmanagement
Saubere Strahlengänge, funktionierende Reflektorsysteme und intakte Kühlung sind entscheidend. LED-Module müssen regelmäßig auf Leistung überprüft werden. Verschmutzte Schutzscheiben reduzieren wirksame Strahlungsleistung. Servicepläne sollten Leistungsmessungen und optische Inspektionen enthalten.
Empfehlungen für einen erfolgreichen Umstieg
- Vorversuche mit originalen Substraten und dem geplanten Produktions-Workflow durchführen.
- Tinten- und Lacklieferanten gezielte Spezifikationen zu LED-Emissionen liefern lassen.
- Radiometer und Messmethoden für LED-Wellenlängen anschaffen.
- Schulung von Bedienpersonal zu Parametereinstellungen und Troubleshooting.
- Testserien zu Haftung, Abrieb und Langzeitstabilität einplanen.
- Bei Bedarf hybride Härtungskonzepte prüfen, wenn spezielle Effekte oder opacity verlangt werden.
Fazit
LED-UV verändert die Druckqualität im Flexodruck nachhaltig. Richtig eingesetzt, steigert die Technologie Schärfe, Glanz und Produktionsstabilität. Herausforderungen bestehen vor allem in der Anpassung von Tinten, Primer und Prozessparametern. Durch systematische Tests, enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und konsequente Qualitätssicherung lassen sich die Vorteile der LED-UV-Aushärtung für schmalbahnige Etikettenproduktion optimal nutzen.




