Die Flexodruckbranche steht vor einem Wendepunkt. Traditionelle Trocknungssysteme erreichen ihre Grenzen, während Kunden immer anspruchsvollere Anforderungen an Geschwindigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit stellen. UV-härtende Systeme revolutionieren aktuell die Produktionsabläufe – besonders in Kombination mit LED-Technologie. Wer jetzt nicht modernisiert, riskiert den Anschluss an den Markt.
Stellen Sie sich eine Druckmaschine vor, die Etiketten auf recyclebaren Materialien produziert, ohne Kompromisse bei der Farbbrillanz einzugehen. Gleichzeitig reduziert sie den Energieverbrauch um 40% und verkürzt die Trocknungszeit auf Millisekunden. Keine Zukunftsmusik – das ist heute mit UV-Härtungssystemen realisierbar.
Der Schlüssel liegt in der Chemie der UV-Farben. Diese enthalten Photoinitiatoren, die unter bestimmten Lichtwellenlängen sofort reagieren. LED-UV-Lampen mit präzise abgestimmten Spektren lösen gezielt diese Reaktion aus. Im Vergleich zu Quecksilberdampflampen entsteht keine Wärmeentwicklung, was dünne Folien und temperaturempfindliche Substrate schont. Tests zeigen: Die Haftfestigkeit auf schwierigen Oberflächen wie Polyolefinen verbessert sich um bis zu 30%.
Für Betriebe im Schmalbahnbereich ergeben sich entscheidende Vorteile. Rotationsmaschinen mit UV-Modulen ermöglichen den Wechsel zwischen Nass-in-Nass-Druck und Hochglanzeffekten ohne Zwischentrocknung. Praxisbeispiele aus der Pharmaindustrie beweisen: Sicherheitsetiketten mit mikrofeinen Prägungen lassen sich so in einem Durchlauf produzieren – bei 50% höherer Liniengeschwindigkeit als konventionelle Systeme.
Interessant wird es bei Hybridlösungen. Kombinieren Sie UV-Flexodruck mit digitalen Vorstufentechnologien. So entstehen personalisierte Verpackungen mit durchgängig glänzenden Logos neben matten Hintergründen – alles in einer Maschinenbelegung. Die LED-UV-Härtung arbeitet hier wie ein chemischer Schalter: Erst bei Bestrahlung startet die Vernetzung, was präzise Steuerung von Glanzgraden ermöglicht.
Vergessen Sie nicht den ökonomischen Faktor. Herkömmliche Trockner benötigen bis zu 80% der Gesamtenergie einer Drucklinie. UV-Systeme senken diesen Anteil auf 20-30%, bei gleichzeitiger Verdopplung der Durchlaufgeschwindigkeiten. Kalkulationen zeigen: Die Amortisationszeit für eine Nachrüstung liegt bei intensiver Nutzung unter 18 Monaten – dank Einsparungen bei Energie, Wartung und Ausschuss.
Kritiker argumentieren mit höheren Materialkosten für UV-Farben. Doch moderne Formulierungen überzeugen durch reduzierte Viskositätsänderungen im Farbwerk. Das bedeutet: weniger Reinigungsintervalle, stabilere Farbübertragung bei langen Laufzeiten. Ein Großdrucker berichtete kürzlich von 27% weniger Farbverbrauch durch präzisere Dosierung bei UV-Kurzfarbzügen.
Die Umweltbilanz überrascht viele: Keine Lösemittelemissionen, reduzierter Stromverbrauch, recyclingfähige Drucke. Zertifizierungen wie der Blaue Engel werden plötzlich erreichbar – ein starkes Verkaufsargument in Zeiten grüner Lieferketten.
Zukunftsprognosen deuten auf weitere Innovationen hin. Aktuelle Forschungsprojekte testen UV-Wellenlängen für spezielle Effektpigmente. Andere Entwicklungen zielen auf mobile Härtungseinheiten, die Retrofit-Lösungen für ältere Maschinen vereinfachen. Eines ist klar: Wer heute in UV-Technik investiert, baut nicht nur Kapazitäten aus, sondern sichert sich Technologieführerschaft für das nächste Jahrzehnt.
Die Entscheidung liegt auf dem Tisch. Entweder man kämpft weiter mit langen Trocknungszeiten, begrenzten Substratoptionen und steigenden Energiekosten – oder man nutzt die Chance, Produktionsprozesse grundlegend zu optimieren. Die Konkurrenz schläft nicht, und Kunden honorieren Zuverlässigkeit kombiniert mit ökologischer Verantwortung. Letztlich geht es nicht um die Frage, ob man umrüstet, sondern wann.




