Im flexiblen Etiketten‑ und Narrow‑Web‑Druck beeinflussen Aushärtungsqualität und Prozessstabilität direkt die Produktionsgeschwindigkeit und Endproduktqualität. Häufig treten ungleichmäßige Oberflächen, Klebrigkeit, Haftungsversagen oder Durchhärtungsprobleme auf. Moderne LED‑UV‑Systeme bieten gezielte Lösungen. Dieser Beitrag analysiert typische Fehlerbilder, beleuchtet Ursachen und zeigt praktikable Maßnahmen bei der Umstellung auf LED‑UV.
Häufige Aushärtungsprobleme
- Stempelnde oder klebrige Druckbilder trotz UV‑Belichtung.
- Mangelnde Durchhärtung in dicken Farbschichten oder Lacklagen.
- Haftungsprobleme auf Polyolefinen wie PE und PP.
- Gelbstich oder Verfärbungen lichtempfindlicher Substrate.
- Ozon‑ und Wärmebelastung, die bei empfindlichen Materialien zu Schrumpfung führt.
- Fleckenbildung, Pigmentausblühungen oder ungleichmäßiger Glanz.
Ursachen im Detail
1) Unzureichende Strahlungsdosis
Die Energie (mJ/cm²) ist oft zu niedrig oder verteilt sich ungleichmäßig. Hohe Liniengeschwindigkeiten ohne korrigierte Belichtungsleistung führen zu ungenügender Vernetzung.
2) Falsches Spektrum und Photoinitiator‑Mismatch
Konventionelle Quecksilberlampen emittieren ein breites UV‑Spektrum. LED‑Quellen liefern enge Peak‑Wellenlängen, typischerweise im Bereich 365–405 nm. Sind Druckfarbe oder Lack nicht für diese Wellenlänge formuliert, bleibt die Polymerisation unvollständig.
3) Sauerstoffinhibition
Sauerstoff an der Oberfläche hemmt freie Radikale und verhindert vollständige Vernetzung, sichtbar als klebrige Oberfläche trotz durchgehender Härtung darunter.
4) Schichtdicke und Pigmentbelastung
Dicke Farbschichten oder stark pigmentierte Tinten erfordern höhere Energiedosen und längere Belichtungszeiten. Bei zu geringem Dosisangebot entsteht ein durchgehärtetes Kernschichtproblem.
5) Substratbegrenzungen
Thermische Empfindlichkeit und Transmissionswerte beeinflussen die Aushärtung. Dünnwandige Folien reagieren stärker auf Hitze und UV‑Exposition, dünne Lackschichten härten anders als dicke.
6) Anlagenbedingte Faktoren
Lampenalter, Reflektoren, Lamp‑to‑substrate Abstand, Kühlung und Transportgeschwindigkeit bestimmen die effektive Dosis. Verschmutzte LED‑Module oder defekte Kühlkreisläufe reduzieren Leistung.
Spezielle Herausforderungen bei Etiketten‑ und Narrow‑Web‑Druck
Etiketten und schmale Bahnen arbeiten oft mit empfindlichen Folien wie BOPP, PET oder PE. Enges Layout, hohe Geschwindigkeiten und dünne Substrate verlangen präzise Temperaturkontrolle. Wärmebedingte Verformungen oder Klebstoff‑Mobilisierung verursachen Haftungsprobleme. Weiterhin erhöhen transparente oder metallisierte Folien Reflektionen und Schattenzonen, die Aushärtung heterogen erscheinen lassen.
Wie LED‑UV‑Technologie die Probleme angeht
1) Zielgerichtetes Spektrum und schnelle Regelbarkeit
LED‑Module liefern definierte Wellenlängen. Durch Auswahl kompatibler Photoinitiatoren erreichen Tinten eine effizientere Vernetzung. LED‑Systeme schalten sofort an und aus, damit lassen sich Belichtungspulse exakt steuern.
2) Deutlich geringere Wärmeabgabe
LED‑UV produziert weniger Infrarotstrahlung. Dadurch sinkt die thermische Belastung von Folien. Schrumpfung und Klebstoffmobilisierung treten seltener auf. Höhere Bahngeschwindigkeiten sind möglich, ohne Substratschäden.
3) Längere Betriebszeiten und stabile Leistung
LED‑Module altern langsamer. Konstante Intensität sorgt für reproduzierbare Aushärtungsresultate über lange Produktionsläufe.
4) Kein oder stark reduziertes Ozon
Fehlende Emission von kurzwelligem UV-C vermindert Ozonbildung. Bessere Arbeitsbedingungen und geringere Materialalterung folgen.
5) Hohe Spitzenintensität und Pulsbetrieb
LED‑Systeme erreichen hohe Spitzenleistungen. Durch Pulsmodus lässt sich Sauerstoffinhibition minimieren, ohne aufwändige Inertisierung. Mehrfachbelichtungen oder abgestimmte Dosen bringen homogene Durchhärtung.
6) Energieeffizienz und Platzvorteile
Kompakte LED‑Köpfe erleichtern Nachrüstungen in Narrow‑Web‑Pressen. Der Energiebedarf sinkt, was Gesamtbetriebskosten reduziert.
Praktische Maßnahmen bei Umstellung auf LED‑UV
1) Prüfung und Auswahl geeigneter Tinten
Vor Freigabe ist eine Validierung mit dem neuen Spektrum notwendig. Gegebenenfalls sind Formulierungsanpassungen oder spezielle LED‑Photoinitiatoren erforderlich.
2) Dosismessung und Layoutanpassung
Radiometer‑Messungen helfen, die effektive Dosis an kritischen Stellen zu bestimmen. Anpassung von Lampleistung und Bahngeschwindigkeit optimiert die Energieeinbringung.
3) Kontrolle des Lampabstands und Reflektor‑Setups
Gleichmäßige Abstände und saubere Reflektoren verhindern Hot‑ und Cold‑Spots. Bei metallisierten Substraten spezielle Diffusoren oder zusätzliche Lampköpfe in Betracht ziehen.
4) Prozessparameter definieren
Standardarbeitsanweisungen für Viscometrie, Anilox‑Rollengrößen, Farbschichtdicken und Magnetsysteme verringern Variabilität. Regelmäßige Messungen der Schichtdicke unterstützen stabile Aushärtung.
5) Umgang mit Sauerstoffinhibition
Für hochglänzende Lacke oder Schlüsselanwendungen kann eine leichte Inertisierung mit Stickstoff notwendig sein. Alternativ kontrollierte Mehrfachbelichtung oder den Einsatz von Aminbeschleunigern prüfen.
6) Substrattests und Klebstoffverhalten
Klebemuster nach Alterungstests auswerten. Temperaturprofile im Druck prüfen, um Klebstofffluss oder Laminatprobleme früh zu erkennen.
Formulierungs‑ und Prozess‑Empfehlungen
- Photoinitiator‑Mix an LED‑Peak anpassen. Kombinierte PI‑Systeme fördern Oberflächen‑ und Tiefenvernetzung.
- Dünnere, aber gleichmäßigere Schichtaufträge reduzieren Durchhärtungsrisiken.
- Pigmentdeckung mit niedrigem Lichtstreuverhalten wählen, um Tiefenpenetration zu erleichtern.
- Additive für bessere Oberflächenhärte und Kratzfestigkeit einsetzen.
- Für Lebensmitteletiketten Kompatibilität und Migrationsverhalten prüfen.
Messung und Qualitätssicherung
- Einsatz von Radiometern zur Kontrolle der UV‑Energie in mW/cm² und mJ/cm².
- Haftungsprüfungen, Kreuzschlitztests und Lackprüfungen als Routine etablieren.
- Dokumentation jeder Umstellung und Chargenfreigabe für Rückverfolgbarkeit.
Fazit
LED‑UV bietet im Etiketten‑ und Narrow‑Web‑Flexodruck klare technische Vorteile. Durch geringere Wärmeentwicklung, definiertes Spektrum und stabile Leistung lassen sich viele klassische Aushärtungsprobleme vermeiden. Die Umstellung erfordert jedoch systematische Prüfungen von Tinten, Prozessparametern und Substraten. Mit abgestimmten Tintenrezepturen, genauem Dosismanagement und kontrollierten Produktionsbedingungen entstehen deutlich robustere Druckergebnisse und eine verbesserte Produktionsstabilität.




