Umstellung auf LED-UV im Flexodruck: Technische Voraussetzungen und typische Herausforderungen

Umstellung auf LED-UV im Flexodruck Technische Voraussetzungen und typische Herausforderungen

Die Welt des Drucks entwickelt sich rasant weiter, und die Umstellung von herkömmlichen UV-Härtungssystemen auf moderne LED-UV-Technologie im Flexodruck gewinnt zunehmend an Bedeutung. Diese technologische Revolution verspricht nicht nur verbesserte Druckqualität und Effizienz, sondern auch signifikante Vorteile in Bezug auf Energieverbrauch und Umweltschutz. Besonders im Bereich des Etikettendrucks, des Schmalbahn-Flexodrucks und auch in angrenzenden Druckverfahren wie dem Offsetdruck, wo UV-Härtung eine Rolle spielt, sind die Auswirkungen spürbar. Doch was sind die technischen Voraussetzungen für diesen Wandel, und welche typischen Herausforderungen gilt es zu meistern?

Die Vorteile von LED-UV im Flexodruck: Mehr als nur eine Alternative

Herkömmliche UV-Lampen, oft Quecksilberdampflampen, emittieren ein breites Spektrum an Licht, von dem nur ein Teil für die Aushärtung der UV-Tinten genutzt wird. Dies führt zu hohem Energieverbrauch und einer erheblichen Wärmeentwicklung. LED-UV-Systeme hingegen sind wesentlich energieeffizienter. Sie emittieren Licht in einem sehr schmalen Wellenlängenbereich, der exakt auf die Photoneninitiatoren in den UV-Tinten abgestimmt ist.

Diese gezielte Emission hat mehrere positive Effekte:

  • Höhere Energieeffizienz: Der Stromverbrauch sinkt drastisch, was sich direkt auf die Betriebskosten auswirkt.
  • Geringere Wärmeentwicklung: Das Drucksubstrat wird weniger thermisch belastet. Dies ist besonders vorteilhaft bei dünnen Folien oder hitzeempfindlichen Materialien im Etikettendruck.
  • Längere Lebensdauer der Leuchtmittel: LEDs haben eine deutlich längere Betriebszeit als herkömmliche Lampen.
  • Sofortige Ein- und Ausschaltbarkeit: Kein langes Aufheizen nötig, was Stillstandzeiten reduziert und den Energieverbrauch weiter senkt.
  • Verbesserte Druckqualität: Die präzise Wellenlänge kann zu einer homogeneren und schnelleren Aushärtung führen. Dies verbessert Glanz, Kratzfestigkeit und Farbbrillanz.
  • Umweltschonender: Weniger Energieverbrauch und keine ozonerzeugenden Quecksilberdampflampen.

Technische Voraussetzungen für die Umstellung auf LED-UV

Die Integration von LED-UV-Systemen in bestehende Flexodruckmaschinen erfordert sorgfältige Planung und Anpassungen. Es ist nicht einfach nur ein Austausch von Lampen.

1. Maschinenkompatibilität und Platzbedarf

Jede Druckmaschine hat spezifische Einbaumaße und Kühlkapazitäten. LED-UV-Strahler sind oft kompakter als ihre Vorgänger, aber die elektrische Anbindung und die notwendige Kühlung müssen berücksichtigt werden. Bei älteren Maschinen kann es notwendig sein, die elektrische Versorgung zu prüfen und gegebenenfalls zu verstärken.

  • Stromversorgung: Die Leistungsaufnahme von LED-UV-Systemen ist zwar geringer, aber die Spitzenströme beim Einschalten müssen von der Maschinensteuerung verkraftet werden.
  • Kühlung: Obwohl LEDs weniger Wärme abgeben, benötigen sie dennoch eine effektive Kühlung, um ihre Lebensdauer und Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Luft- oder Wasserkühlsysteme sind hier gängig.
  • Integration in die Steuerung: Die Ansteuerung der LED-UV-Systeme muss mit der Maschinensteuerung synchronisiert werden, um einen reibungslosen Druckablauf zu gewährleisten.

2. Spezifische LED-UV-Tinten und Lacke

Dies ist vielleicht der kritischste Punkt. Herkömmliche UV-Tinten sind nicht automatisch mit LED-UV-Systemen kompatibel. LED-UV-Systeme arbeiten mit spezifischen Wellenlängen (oft 395 nm oder 405 nm). Die Photoneninitiatoren in den Tinten müssen auf diese Wellenlängen abgestimmt sein.

  • Formulierung der Tinten: Hersteller von UV-Tinten haben spezielle Formulierungen für LED-UV-Druck entwickelt. Diese Tinten enthalten Initiatoren, die durch das schmalbandige Licht der LEDs effizient aktiviert werden.
  • Viskosität und Fließverhalten: Die Viskosität der LED-UV-Tinten kann sich von herkömmlichen UV-Tinten unterscheiden. Dies kann Anpassungen im Farbwerk und der Rasterwalze erfordern.
  • Haftung und Aushärtung: Die Haftung auf verschiedenen Substraten und die vollständige Durchhärtung müssen für jedes Substrat und jede Drucksituation neu evaluiert werden. Dies ist im Etikettendruck auf Kunststoffen und Folien besonders wichtig.

3. Substratkompatibilität und Vorbehandlung

Obwohl LED-UV weniger Wärme entwickelt, ist die Kompatibilität mit unterschiedlichen Substraten immer noch ein wichtiger Faktor.

  • Kunststoffe und Folien: Im Schmalbahn-Flexodruck und Etikettendruck sind Kunststoffmaterialien wie PP, PE und PET weit verbreitet. Hier ist die Haftung und Aushärtung entscheidend.
  • Papier und Karton: Auch hier sind die Aushärtungstiefe und die Oberflächeneigenschaften wichtig.
  • Vorbehandlung: Je nach Substrat und Tintensystem kann eine zusätzliche Oberflächenvorbehandlung (z. B. Corona-Behandlung) notwendig sein, um die Haftung zu optimieren.

4. Anwenderkenntnisse und Schulung

Die Umstellung erfordert ein neues Verständnis für die Technologie. Druckereien und ihre Mitarbeiter müssen entsprechend geschult werden.

  • Prozessparameter: Optimale Druckgeschwindigkeiten, Temperaturen und UV-Intensitäten müssen neu ermittelt und eingestellt werden.
  • Troubleshooting: Das Erkennen und Beheben von Problemen, die spezifisch für LED-UV sind, erfordert neues Wissen.
  • Qualitätskontrolle: Neue Messmethoden und -parameter können erforderlich sein, um die Aushärtung zu überprüfen.

Typische Herausforderungen bei der Umstellung

Trotz der vielen Vorteile gibt es auch Hürden, die bei der Einführung von LED-UV im Flexodruck überwunden werden müssen.

1. Investitionskosten

Die Anschaffung von LED-UV-Systemen ist eine signifikante Investition. Obwohl sich die Kosten durch Energieeinsparungen und höhere Produktivität amortisieren können, sind die Anfangskosten eine Hürde, insbesondere für kleinere Druckereien.

  • Budgetplanung: Eine genaue Kalkulation der Investition und des erwarteten Return on Investment (ROI) ist unerlässlich.
  • Finanzierungsmodelle: Prüfen Sie Optionen wie Leasing oder spezielle Finanzierungsprogramme.

2. Kompatibilität mit bestehenden Maschinen

Nicht jede ältere Druckmaschine lässt sich problemlos mit modernen LED-UV-Systemen nachrüsten.

  • Platzmangel: Oft ist der verfügbare Platz zwischen den Druckwerken begrenzt.
  • Technische Limitierungen: Die elektrische Infrastruktur oder die Kühlkapazität der Maschine kann unzureichend sein.
  • Herstellerunterstützung: Die Verfügbarkeit von Nachrüstsätzen und die technische Unterstützung durch den Maschinenhersteller sind wichtig.

3. Tinten- und Lackauswahl

Die Auswahl der richtigen Tinten und Lacke ist entscheidend für den Erfolg.

  • Begrenzte Auswahl: Anfangs war die Auswahl an LED-UV-kompatiblen Farben geringer. Der Markt hat sich jedoch stark entwickelt.
  • Kosten der Tinten: Spezielle LED-UV-Tinten können teurer sein als herkömmliche UV-Tinten.
  • Testen und Validieren: Es ist notwendig, verschiedene Anbieter und Produkte zu testen, um die beste Lösung für spezifische Anwendungen zu finden, insbesondere für den anspruchsvollen Etikettendruck.

4. Aushärtungstiefe und -geschwindigkeit

Obwohl LED-UV-Systeme schnell aushärten, kann die Aushärtungstiefe, insbesondere bei opak-weißen oder stark pigmentierten Tinten, eine Herausforderung darstellen.

  • Hohe Pigmentierung: Stark deckende Farben absorbieren UV-Licht stärker, was die Durchhärtung erschweren kann.
  • Dicke Farbschichten: Bei sehr dicken Farbschichten oder Lacken kann die Aushärtung an der Oberfläche schneller erfolgen als im Kern.
  • Anpassung der Parameter: Die richtige Kombination aus UV-Leistung, Druckgeschwindigkeit und der Wahl der richtigen Tinte ist hier entscheidend.

5. Substratabhängigkeit

Die Reaktion des Substrats auf die UV-Strahlung und die Tinte muss sorgfältig geprüft werden.

  • Foliendruck: Bei dünnen Folien kann es zu Verzug oder Schrumpfung kommen, wenn die Wärmeentwicklung trotz LED-UV nicht optimal kontrolliert wird.
  • Oberflächenenergie: Die Oberflächenenergie des Substrats beeinflusst die Haftung der UV-Tinte.
  • Lösungsmittelrückstände: Bei bestimmten Druckverfahren, die zuvor Lösungsmitteltinten verwendet haben, müssen Rückstände beseitigt werden, um eine optimale UV-Aushärtung zu gewährleisten.

6. Schulung und Know-how

Das Druckteam muss sich mit der neuen Technologie vertraut machen.

  • Erfahrungswerte: Das intuitive Wissen, das mit traditionellen UV-Systemen gesammelt wurde, lässt sich nicht immer direkt übertragen.
  • Fortlaufende Weiterbildung: Die Technologie entwickelt sich weiter, und Schulungen sind ein wichtiger Bestandteil des Prozesses.

Fazit: Die Zukunft des Flexodrucks ist LED-UV

Die Umstellung auf LED-UV im Flexodruck, insbesondere im Bereich des Etiketten- und Schmalbahn-Drucks, ist ein strategischer Schritt in Richtung Zukunft. Die technischen Voraussetzungen sind zwar zu erfüllen und typische Herausforderungen gilt es zu meistern, doch die Vorteile in Bezug auf Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit sind immens. Eine gründliche Planung, die Auswahl der richtigen Technologiepartner und die Bereitschaft zur Weiterbildung sind der Schlüssel zum erfolgreichen Übergang. Druckereien, die diese Transformation erfolgreich gestalten, werden langfristig wettbewerbsfähiger und zukunftsfähiger sein. Die Investition in LED-UV ist eine Investition in die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit des modernen Drucks.


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