Der moderne Druckmarkt verlangt nach immer kürzeren Lieferzeiten und gleichzeitig konstant hoher Druckqualität. Gerade im Bereich des Schmalbahn-Etikettendrucks sind Druckgeschwindigkeiten von über 200 Metern pro Minute keine Seltenheit mehr. Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, sind fortschrittliche Technologien unerlässlich. Ein entscheidender Faktor für die Prozessstabilität und das Druckergebnis ist die Aushärtung der verwendeten Druckfarben. Hier hat sich die LED-UV-Härtung als wegweisende Lösung etabliert und revolutioniert die Art und Weise, wie wir über Konsistenz und Geschwindigkeit im Flexodruck denken.
Die Evolution der UV-Härtung: Von Quecksilberdampflampen zu LEDs
Traditionell kamen Quecksilberdampflampen (Hg-Lampen) in UV-Härtungssystemen zum Einsatz. Diese Technologie hat über Jahrzehnte gute Dienste geleistet, bringt aber auch Nachteile mit sich. Hg-Lampen erzeugen ein breites Spektrum an UV-Licht, das zwar die meisten UV-härtenden Tinten und Lacke aushärtet, aber auch viel Wärme und unerwünschte langwellige Strahlung emittiert. Dies kann zu Substratverformungen führen, insbesondere bei dünnen oder wärmeempfindlichen Materialien wie Folien. Zudem ist die Lebensdauer von Hg-Lampen begrenzt, und sie benötigen eine Aufheiz- und Abkühlzeit, was den Produktionsfluss unterbricht und Energie verschwendet.
Die Einführung von UV-LEDs (Light Emitting Diodes) hat hier einen Paradigmenwechsel eingeleitet. LEDs emittieren UV-Licht in einem sehr schmalen Wellenlängenbereich, der präzise auf die Absorptionsspektren der modernen UV-härtenden Tinten und Lacke abgestimmt ist. Dies bedeutet eine effizientere Energieumwandlung und eine gezieltere Härtung. Die Vorteile sind vielfältig und wirken sich direkt auf die Konsistenz und Geschwindigkeit im Druckprozess aus.
Vorteile der LED-UV-Härtung für den Etikettendruck
Die Umstellung auf LED-UV-Härtung in Flexodruckmaschinen bietet signifikante Vorteile, die direkt die Produktivität und Qualität steigern:
- Energieeffizienz und geringere Wärmeentwicklung: LEDs verbrauchen deutlich weniger Energie als Hg-Lampen. Sie emittieren kaum noch Wärme in den Infrarotbereich. Dies ermöglicht den Druck auf einer breiteren Palette von Substraten, einschließlich empfindlicher Kunststoffe und dünner Papiere, ohne deren Form zu beeinträchtigen. Geringere Wärme bedeutet auch eine stabilere Druckumgebung, was wiederum die Farbviskosität und den Passer beeinflusst.
- Sofortige Ein- und Ausschaltung: LEDs sind sofort einsatzbereit. Sie müssen nicht erst auf Betriebstemperatur aufheizen oder abkühlen. Dies reduziert Stillstandzeiten zwischen Aufträgen oder bei Maschinenstopps erheblich. Moderne Maschinen können die LEDs bedarfsgerecht zuschalten, was den Energieverbrauch weiter optimiert und die Lebensdauer der Komponenten erhöht.
- Längere Lebensdauer und geringere Wartung: Die Lebensdauer von UV-LEDs ist um ein Vielfaches höher als die von Hg-Lampen. Dies reduziert die Häufigkeit von Lampenwechseln und damit die Wartungskosten und Produktionsunterbrechungen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist geringer, was zu einer höheren Maschinenverfügbarkeit führt.
- Konstante Strahlungsleistung: Während die Leistung von Hg-Lampen mit der Zeit nachlässt und durch Alterung beeinträchtigt wird, bieten LEDs eine über ihre gesamte Lebensdauer nahezu konstante Strahlungsintensität. Diese Konsistenz ist entscheidend für eine gleichbleibende Härtung der Druckfarbe über lange Produktionsläufe hinweg.
- Gezielte Wellenlängen und verbesserte Tintenperformance: Durch die Auswahl spezifischer Wellenlängenbereiche (z.B. 395 nm) können Tintenhersteller ihre Formulierungen optimieren. Dies führt zu einer besseren Vernetzung der Farbmoleküle, was wiederum die Kratzfestigkeit, Chemikalienbeständigkeit und Glanz der gedruckten Etiketten verbessert. Die Tinten härten schneller und vollständiger aus.
LED-UV-Härtung und die Herausforderungen extremer Druckgeschwindigkeiten
Die Fähigkeit, bei extrem hohen Druckgeschwindigkeiten konstant hohe Qualität zu liefern, ist das Herzstück der LED-UV-Technologie im Flexodruck. Bei Geschwindigkeiten von 200 m/min und mehr muss die Aushärtung der Farbe in Bruchteilen von Sekunden erfolgen. Hier spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Strahlungsintensität und Expositionszeit: LEDs können eine sehr hohe Strahlungsintensität über einen kurzen Zeitraum liefern. Die entscheidende Kenngröße ist hier die Bestrahlungsstärke (irradiance), gemessen in W/cm². Eine höhere Bestrahlungsstärke kompensiert die verkürzte Expositionszeit bei hohen Geschwindigkeiten. Die präzise Steuerung dieser Intensität ist durch die LED-Technologie einfacher realisierbar.
- Wellenlängenanpassung: Wie bereits erwähnt, ermöglicht die schmale Wellenlängenemission von LEDs eine optimale Abstimmung auf die Tintenchemie. Dies sorgt dafür, dass auch bei hoher Geschwindigkeit eine vollständige und tiefe Durchhärtung stattfindet. Schlecht ausgehärtete Farbe ist anfällig für Abrieb und kann zu Problemen bei nachfolgenden Verarbeitungsschritten führen.
- Positionierung der Härtungseinheiten: Bei sehr hohen Geschwindigkeiten ist die physische Platzierung der Härtungsmodule kritisch. Sie müssen so nah wie möglich an der Druckform positioniert sein, um die Expositionszeit zu maximieren und gleichzeitig die Übertragung der Farbe auf das Substrat zu ermöglichen. Die kompakte Bauweise von LED-Modulen erleichtert diese Integration.
- Kühlung und thermisches Management: Auch wenn LEDs weniger Wärme erzeugen als Hg-Lampen, ist bei sehr hohen Bestrahlungsstärken und langen Betriebsdauern eine effektive Kühlung der LED-Module selbst notwendig. Moderne Systeme verfügen über integrierte Kühlsysteme, die sicherstellen, dass die LEDs ihre optimale Betriebstemperatur beibehalten, um eine gleichbleibende Leistung zu gewährleisten und eine Überhitzung zu vermeiden. Dies trägt ebenfalls zur Konsistenz der Härtung bei.
- Farbmanagement und Prozesskontrolle: Die erfolgreiche Anwendung von LED-UV-Härtung bei hohen Geschwindigkeiten erfordert ein tiefes Verständnis des Zusammenspiels von Farbe, Druckplatte, Rasterwalze und Härtungssystem. Farbhersteller haben spezielle LED-Tinten entwickelt, die für diese Bedingungen optimiert sind. Prozesskontrollsysteme, die Parameter wie Geschwindigkeit, Temperatur und Strahlungsleistung überwachen, sind unerlässlich, um die Druckqualität konstant zu halten.
Anwendungsbereiche und Prozessoptimierung
Die Vorteile der LED-UV-Härtung sind besonders in folgenden Bereichen des Etikettendrucks spürbar:
- Hochglanzlackierungen und Veredelungen: LEDs ermöglichen die Anwendung von hochglänzenden Lacken, die selbst bei hohen Geschwindigkeiten perfekt aushärten und eine beeindruckende Oberflächenhaptik bieten.
- Sicherheitsmerkmale und Spezialeffekte: Für den Druck von Etiketten mit Sicherheitsmerkmalen oder besonderen Effekten, die eine präzise und vollständige Aushärtung erfordern, ist LED-UV ideal.
- Dünne Folien und empfindliche Materialien: Wie bereits erwähnt, ist die geringe Wärmeentwicklung ein entscheidender Vorteil für den Druck auf einer Vielzahl von Kunststofffolien, die sonst durch die Hitze von Hg-Lampen beschädigt würden.
- Kombination mit anderen Druckverfahren: In Mehrverfahrenmaschinen, die beispielsweise Offset-, Flexo- und Siebdruck kombinieren, kann die LED-UV-Härtung eine einheitliche und effiziente Lösung für die Aushärtung der einzelnen Druckfarben bieten.
Fazit für die Praxis
Die LED-UV-Härtung repräsentiert nicht nur eine technologische Weiterentwicklung, sondern eine strategische Entscheidung für Druckereien, die auf höchste Qualität, maximale Produktivität und wirtschaftliche Effizienz setzen. Sie ermöglicht es, die Vorteile des Flexodrucks bei extremen Geschwindigkeiten voll auszuschöpfen, ohne Kompromisse bei der Druckqualität einzugehen. Die Konsistenz der Härtung über lange Druckläufe, die verbesserte Haltbarkeit der Druckergebnisse und die Flexibilität bei der Materialwahl machen LED-UV-Härtung zu einem unverzichtbaren Werkzeug im modernen Etiketten- und Schmalbahn-Druck. Wer in dieser Technologie investiert, sichert sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil in einem sich ständig wandelnden Markt.




